Mi., 30.11.2016

CDU-Regionalkonferenz in Münster Merkel meistert selbst komische Momente

Die CDU-Parteiführung um Kanzlerin Angela Merkel, CDU-Landeschef Armin Laschet und Generalsekretär Peter Tauber (links) stellte sich gestern den Fragen der Basis. Ein Schwerpunkt war natürlich die Flüchtlingspolitik.Angela Merkel sprach gestern Abend in Münster bei der CDU-Regionalkonferenz vor Delegierten der Landesverbände NRW, Bremen und Niedersachsen – und begrüßte danach ein neunjähriges Mädchen aus dem Publikum.

Angela Merkel sprach gestern Abend in Münster bei der CDU-Regionalkonferenz vor Delegierten der Landesverbände NRW, Bremen und Niedersachsen – und begrüßte danach ein neunjähriges Mädchen aus dem Publikum. Foto: Wilfried Gerharz

Münster - 

Von wegen keine Volkspartei: Die erste Wortmeldung nach der Rede der Bundeskanzlerin, bei der es um Krieg und Frieden, Wohlstand und Wahlsieg ging, beantragt Wilhelm Abel aus Drensteinfurt. „Es kann nicht sein, dass ein Eigentümer eines Hauses, der ja schon Grundbesitzabgaben leistet, noch mal durch die Vermögenssteuer belastet wird.“ Merkel stellte sich am Mittwoch in Münster der CDU-Basis.

Von Frank Polke

Wilhelm Abels Frage dauert knapp drei Minuten. Die Kanzlerin, die knappe 20 Minuten geredet hat, lächelt ihren nur zu vermutenden Unmut weg. Wahlkampf kann schwierig sein, hart. Hat sie ja vermutet. Die ersten unter den 1100 Delegierten im Saal der Halle Münsterland werden unruhig, murren. Denn die Mitglieder sind gekommen aus Hannover und Mülheim, aus Oelde und aus Bremen, um wichtige Fragen zu stellen.

Tapfer, furchtlos und selbstbewusst gehen die Nächsten ans Mikrofon. „Sollten wir nicht auf die CSU zugehen?“ „Was tun Sie, wenn Erdogan das Flüchtlingsabkommen aufkündigt?“ Und eine Frau aus Wadersloh will wissen: „Frau Bundeskanzlerin, wie stellen Sie sich Deutschland in zehn Jahren vor?“

Fotostrecke: CDU-Regionalkonferenz mit Angela Merkel in Münster

Ein Thema: Flüchtlinge

Merkel und Laschet notieren sich die Fragen, Merkel antwortet. Sie unterstreicht noch einmal die Schwierigkeit der Situation im vergangenen Herbst. „Wir hatten einfach keine Zeit, auf diesen Zuzug angemessen zu reagieren.“ Man habe die Situation in den Flüchtlingsanrainer-Staaten wie Jordanien und der Türkei unterschätzt. „Wir hätten sehen müssen, was eine Kürzung der UN-Hilfsgelder dort bewirkt.“

Merkel bleibt beim Nein zur Obergrenze

Doch das wird in dem gut einstündigem Frage-Antwort-Spiel auch ihr einziges Fehler-Eingeständnis bleiben. Nein, eine Obergrenze sei als „Instrument nicht richtig“, um den Zuzug zu begrenzen. Es komme darauf an, ob Krieg oder Frieden in Syrien sei. „Wir setzen auf europäische Lösungen und den Schutz der EU-Außengrenzen.“ Merkel bleibt sich treu, auch wenn ihre Sprache an einigen Stellen leichte Anfärbungen ins Mecklenburgische nimmt.

Ein RCDS-Mitglied aus dem südlichen Niedersachsen stellt die nächste Frage. „Ich bin 2008 in die CDU eingetreten. Abschaffung der Wehrpflicht, Flüchtlingswende und Streit mit der CSU – was muten Sie uns noch zu?“ Merkels Antwort kommt prompt. „Sie haben den Ausstieg aus der Kernenergie vergessen.“ Die CDU sei Volkspartei und müsse gerade auf Veränderungen in der Welt reagieren. „Und gerade die Junge Union hat die Abschaffung der Wehrpflicht mit deutlich über 90 Prozent beschlossen. Vergessen?“

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Merkel bleibt sachlich

Doch die Kanzlerin bleibt sachlich. Immer wieder leitet sie ihre Politik aus der Achtung der Würde des Menschen ab, die im Inneren wie in der Außenpolitik ihr Handeln bestimmen. Viel Neues ist nicht zu hören, aber das Bemühen der Vorsitzenden, die Lust der Immer-Schon-Kanzlerin auf das Gestalten auch denjenigen zu vermitteln, die für sie bald in den Wahlkampf ziehen sollen.

Visionen sind ihre Sache nicht, ein rhetorisches Feuerwerk auch nicht. Sie nimmt die Fragen auf – und meistert mit unbeweglich-freundlicher Miene auch komische Momente. So einer ist gekommen, als ein Vater mit seiner neunjährigen Tochter ans Mikro tritt. Sie hat in Mathe eine Eins, sagt der Vater. Und er habe gesehen, dass in Heidelberg ein afghanischer Junge die Hand der Kanzlerin schütteln durfte. „Darf meine deutsche Tochter das auch?“ Stille, vereinzelt Kopfschütteln im Saal. Die Kanzlerin nickt und kommt dem Mädchen vor der Bühne entgegen und streckt ihr die Hand aus.

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