Mi., 19.10.2016

Zufriedenheits-Studie Warum Westfalen beim Glücksatlas nur auf Platz sieben liegt

Zufriedenheits-Studie : Warum Westfalen beim Glücksatlas nur auf Platz sieben liegt

Foto: dpa

Münster/Freiburg - 

Nur Rang sieben für Westfalen im bundesweiten Glücksatlas? Trotz der geringen Arbeitslosigkeit, der vielerorts guten Infrastruktur und der soliden Einkommenskala in der Region? Eine Erklärung.

Von Dorle Neumann, mit dpa

Auf Platz sieben mit der „Note“ 7,12 ist die Region Westfalen im diesjährigen Glücksatlas für Deutschland gelandet. Ein Rang, der verwundert: Die Nachfrage bei den Studienverantwortlichen an der Universität Freiburg ergab, dass die Region Westfalen nicht nur das Münsterland und Ostwestfalen umfasst, sondern auch das Sauerland und das Ruhrgebiet. Dessen schlechte Werte, vor allem bei der Arbeitslosenquote, zogen die „Note“ für Westfalen nach unten.

Insgesamt hat die allgemeine Lebenszufriedenheit in Deutschland hat nach dem neuen Glücksatlas einen kleinen Sprung nach vorn gemacht. Auf einer Skala von 0 bis 10 ist die gefühlte Zufriedenheit 2016 auf 7,11 Punkte angestiegen. Die Marke liegt damit höher als 2015 (7,02) und ist der Spitzenwert seit Beginn der Glücksatlas-Erhebung im Jahr 2010.

Beschäftigungswunder führt zu Zufriedenheit

„Dafür gibt es gute Gründe“, ergänzt Studien-Mitautor Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „In der medialen Wirklichkeit schlittern wir zwar von Krise zu Krise, aber in der Realität erlebt Deutschland ein Beschäftigungswunder.“ Seit den 1960er Jahren habe es auch nicht mehr so hohe Einkommenszuwächse und mehr Kaufkraft bis hin zu Rentnern gegeben. Die Deutsche Post lässt den Glücksatlas einmal im Jahr als repräsentative Studie erheben, am Dienstag stellte sie ihn in Berlin vor.

Allerdings klaffen bei der Zufriedenheit auffällige Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Auch das Thema Zuwanderung wird im Osten weitaus kritischer gesehen. Nur ein gutes Drittel der Befragten findet hier zum Beispiel, dass Integration bisher gut funktioniert.

Ausgewählte Ergebnisse der Untersuchung:

DIE OPTIMISTISCHEN DEUTSCHEN: Sie leben nach wie vor an der Nordsee. Schleswig-Holstein hält bei der Lebenszufriedenheit seinen Spitzenplatz (7,41 Punkte). Doch der Süden holt auf. Von Platz fünf auf zwei schiebt sich Franken (7,22) nach vorn. In allen westlichen Bundesländern liegen die Werte dabei dicht beieinander. Den größten Sprung nach vorn von Platz zwölf auf sieben macht die Region Nordrhein mit Köln (7,18).

DIE SKEPTISCHEN DEUTSCHEN: Sie wohnen durchweg im Osten der Republik. Dort erreicht keine Region bei der Lebenszufriedenheit auf der Skala von 0 bis 10 die Marke 7. Den größten Zuwachs gibt es in Thüringen (6,94), das damit die neue Glücksregion im Osten ist. Auf dem letzten Rang liegt Mecklenburg-Vorpommern (6,77).

OST UND WEST: Nach einer immer weiteren Annäherung driftet die subjektive Zufriedenheit mit dem Leben in Deutschland 2016 erstmals wieder leicht auseinander. Im Westen zeigt die Kurve nach oben - und zieht das ganze Land mit. Im Osten fällt sie ein wenig ab. Das gefühlte Glück in Ost und West liegt aber trotzdem lange nicht so weit voneinander entfernt wie noch vor fünf oder zehn Jahren.

DIE GLÜCKLICHSTEN EUROPÄER: Die Werte gibt es mit Zeitverzögerung erst für das Jahr 2015. Deutschland klettert dabei um einen Platz von Rang 10 auf Rang 9 nach oben und liegt damit weiter im oberen Mittelfeld. Ungeschlagen an der Spitze bleibt Dänemark, die rote Laterne hält Griechenland.

LEBENSBEREICHE: Am glücklichsten sind die Deutschen mit ihrer Wohnsituation und ihrer Familie. Im Mittelfeld liegt die Zufriedenheit mit Freizeit, Arbeit und Gesundheit. Auf den hinteren Rängen folgen Haushalts- und persönliches Einkommen - allerdings zeigt sich hier auch der stärkste Aufwärtstrend.

EINWANDERUNG:  Die Skepsis ist in Ostdeutschland ausgeprägter. Hier findet nur rund die Hälfte der Befragten (56 Prozent), dass Deutschland durch Einwanderung vielfältiger wird, im Westen sind es mehr als zwei Drittel (70 Prozent). Je mehr Kontakt Deutsche zu Migranten pflegen, desto toleranter wird ihre Einstellung zur Zuwanderung. Und je toleranter sie sind, desto zufriedener zeigten sich die Befragten mit ihrem Leben. Die Aufgabe der Integration aber sehen alle Bundesbürger kritischer. Nur die Hälfte der Interviewten (51 Prozent) findet, dass das Zusammenleben bisher gut funktioniert. Auch hier ist der Westen mit 54 Prozent Zustimmung zuversichtlicher als der Osten mit nur 35 Prozent.

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