Mi., 19.10.2016

Boxen Elfjähriges Ausnahmetalent mit Biss und Herz

Shootingstar und Ausnahmetalent im Ring: Beim Training tritt Michael Dick (r.) gegen Nermin Bahonjic an.

Shootingstar und Ausnahmetalent im Ring: Beim Training tritt Michael Dick (r.) gegen Nermin Bahonjic an. Foto: Brocker

Freckenhorst/Milte - 

Für Maiki Hundt ist der Fall klar: „Der Michi“, sagt er, „ist ein Ausnahmetalent.“ Hundt, Boxtrainer mit 30-jähriger Kampfsporterfahrung, muss es wissen, war er es doch, der vor elf Jahren bei einem Tanztraining das Talent der damals 19-jährigen Elina Tissen erkannte.

Von Joke Brocker

Aus der Tänzerin, deren schnelle Beinarbeit ihm imponierte, machte er durch diszipliniertes Training „Elin the Machine“, eine Worldchampionesse, die heute nicht weniger als fünf WM-Gürtel in drei Gewichtsklassen hält.

Dass der inzwischen elfjährige Michi, der eigentlich Michael Dick heißt und mit seiner Familie in Milte lebt, das Zeug zu einem richtig guten Boxer hat, stellte Hundt vor zwei Jahren während eines Probetrainings fest. Im Boxstall „Elinboxing“, im Obergeschoss des ehemaligen Tacke-Bürogebäudes an der Everswinkeler Straße in Freckenhorst, prüfte er Michi „auf Herz und Nieren, um zu sehen, ob er für den Boxsport geeignet ist.“

Fußballschuhe gegen Boxhandschuhe getauscht

Nach einer knappen Stunde stand für ihn fest: „Ein Junge mit Biss und Herz. Michi ist ehrgeizig, koordinativ und er will kämpfen.“ Zudem sei er aus eigenem Antrieb gekommen und nicht etwa, weil die Eltern aus ihrem Kind partout einen Wladimir Klitschko oder Henry Maske machen wollten. „Mein Vater hat einen Flyer mitgebracht, da bin ich neugierig aufs Boxen geworden“, erzählt Michi, dem es im Boxstall so gut gefiel, dass er die Fußballschuhe gegen die Boxhandschuhe tauschte.

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Das ist kein Teamsport. Da stehst du ganz alleine. Da kann dir keiner mehr helfen.

Box-Trainer Maiki Hundt

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Dass der Boxring etwas völlig anderes ist als der Fußballplatz, das hat Maiki Hundt seinem Schützling rasch vermittelt: „Das ist kein Teamsport. Da stehst du ganz alleine. Da kann dir keiner mehr helfen.“ Ehe es mit dem Training so richtig losging, erklärte Hundt, der größten Wert auf gutes Benehmen, Disziplin und Gehorsam legt, dem Greenhorn die in seinem Boxstall geltenden Spielregeln. Regeln, die in dem Merksatz „Wer nicht spurt, fliegt raus“ gipfeln: Auf dem Schulhof wird nicht geprügelt, und andere Menschen, allen voran die Eltern, werden mit Respekt behandelt.

Elina Tissen allgegenwärtig

Noch beherrscht das Konterfei von Elina Tissen die Wände im Boxstall. Im Gym und im Besprechungsraum schmücken Zeitungsberichte und riesige Poster mit den Fotos der Weltmeisterin die Wände. Geht es nach Michi, werden eines Tages seine Bilder dort hängen. Entsprechend ehrgeizig geht der Elfjährige, der die Gesamtschule in Warendorf besucht, das Training an. Zweimal die Woche ist er im Boxstall, absolviert nach dem Aufwärmen konditionelle Übungen am Sandsack, ein Koordinationstraining, um schließlich im Sparring gegen meist ältere Partner anzutreten.

Michi kämpft als „Superfliegengewicht“ in der Gewichtsklasse um die 40 Kilo. „Einen Sparringspartner für ihn zu finden, ist schwierig“, sagt Elina Tissen, die den Milter gemeinsam mit Maiki Hundt und Shootingstar Nermin Bahonjic, der bei der 3. Warendorfer Boxnacht am 3. Dezember sein Profi-Debüt geben wird, trainiert. Es sei auch nicht einfach gewesen, passende Sparringspartner für die in der Gewichtsklasse Federgewicht kämpfende Elina Tissen zu finden, erinnert sich deren Coach: „Zu 99 Prozent musste sie gegen Jungs kämpfen.“

Blutige Nase geholt

Beim Sparring zeigen sich die Qualitäten und der Biss eines Boxers: „Da gucken wir genau, dreht er sich um oder geht er nach vorne“, sagt Hundt, der Michi Dick Disziplin, Konzentrationsvermögen, Beweglichkeit, Ausdauer, den nötigen Hunger und Schlagkraft attestiert. Obwohl der Elfjährige im Ring sehr reaktionsschnell und wendig ist, hat auch er sich schon mal eine blutige Nase geholt. „Das gehört dazu“, findet Hundt und betont, dass die Verletzungsgefahr im Schulsport weitaus höher sei.

Hundt und Tissen achten darauf, dass der Nachwuchs-Boxer sich nicht nur diszipliniert ernährt und vor dem Training ordentlich Kohlenhydrate in Form von Kartoffeln, Nudeln oder Reis mit Soße zu sich nimmt, sondern neben Bandagen auch Handschuhe und Zahnschutz trägt. Boxstiefel sind bei „Elinboxing“ kein Muss. Und es reichten auch einfache Shirts und Hosen, betont Maiki Hundt, der es nicht ab kann, wenn sich Sportler wegen ihrer Klamotten „dissen“. Denen, sagt er, sei dann auch keine lange Karriere beschieden.

Fotostrecke: Weltmeisterin Elina Tissen im Training

Michis Karriere dagegen malt sich Hundt schon einmal aus: „Aufbaukämpfe und wenn er bei der Stange bleibt, mit 16 jugendlizensiert …“ Vor Eltern und Verwandten, vielleicht auch seiner ebenfalls boxbegeisterten siebenjährigen Schwester, wird Michi Anfang des Jahres seinen ersten großen Auftritt haben. Bei der Newcomer-Gala soll er den Hauptkampf bestreiten und sechs Runden boxen.

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