Di., 18.10.2016

Schlechte Karten für Windkraft Stadtwerke verzichten auf Bau von Anlagen

Südwestlich der drei Windräder nahe der Autobahn hätten drei weitere Anlagen entstehen können. Doch nach Berechnungen der Stadtwerke sind die Voraussetzungen dafür durch das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) derzeit nicht gegeben.

Südwestlich der drei Windräder nahe der Autobahn hätten drei weitere Anlagen entstehen können. Doch nach Berechnungen der Stadtwerke sind die Voraussetzungen dafür durch das Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) derzeit nicht gegeben. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Lengerich - 

Über mehrere Jahre haben sich die Stadtwerke Lengerich mit der Frage befasst, ob auf einer Fläche im westlichen Stadtgebiet drei Windkraftanlagen gebaut werden könnten. Dieses Thema ist nun ad acta gelegt worden – zumindest auf absehbare Zeit.

Von Paul Meyer zu Brickwedde

In Lengerich werden vorerst wahrscheinlich keine Windräder mehr gebaut. Nach Angaben von Stadtwerke-Geschäftsführer Martin Schnitzler haben sich die Rahmenbedingungen durch die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Sommer so verändert, dass sich eine Investition auf dem Gebiet der Stadt derzeit nicht rechnet. Bereits seit mehreren Jahren war im Gespräch, auf einem rund 22 Hektar großen Areal westlich der Autobahn und südlich des Saerbecker Damms drei Anlagen zu bauen.

Die Ursprungsidee lautete seinerzeit „Bürgerwindpark“. Grundstückseigentümer und Anwohner hatten sich in einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) zusammengeschlossen. Gemeinsam mit Stadt und Stadtwerken wollte man dann Lengericher Bürger mit ins Boot holen. Doch GbR auf der einen Seite, Stadt und Stadtwerke auf der anderen konnten sich zum Jahreswechsel 2013/2014 im Detail nicht einigen. Die Eigentümer wollten vor allem den Stadtwerke-Anteil möglichst klein halten und Bürgern eine direkte Beteiligung ermöglichen. Stadt und Stadtwerke beharrten darauf, mit jeweils einem Drittel im Windenergie-Boot zu sitzen.

Nach der vergeblichen Kompromisssuche, sagt Schnitzler, seien GbR-Vertreter auf die Stadtwerke zugekommen. Ihr Angebot: Die Stadtwerke könnten die Flächen bekommen, sollten sie allein das Windpark-Projekt realisieren wollen. Es begann eine Zeit der Prüfung. Unter anderem bestätigt Schnitzler, dass es in der Sache Gespräche mit den Stadtwerken Münster gegeben habe.

Da indes klar war, dass sich das EEG ändern würde, galt es, dessen neue Vorgaben abzuwarten. Der Stadtwerke-Geschäftsführer erklärt, dass bei der Projekt-Beantragung der Strompreis zu nennen sei, der erzielt werden müsste, um ein Vorhaben rentabel zu gestalten. Von der Bezirksregierung habe es parallel die Aussage gegeben, dass in Lengerich eine Narbenhöhe von maximal 150 Meter Höhe genehmigungsfähig sei. Heutzutage, so Schnitzler, seien meist und auch in Lengerich mindestens 200 Meter nötig, um konkurrenzfähig zu sein. „Pro zehn Meter Höhe kann man zehn Prozent mehr Ertrag rechnen“, macht er die Größenordnung deutlich, um die es geht.

Mit Blick zurück auf das Thema „Bürgerwindpark“ meint der Chef der Stadtwerke, es sei „sehr schade“, dass es nicht zu einer Realisierung gekommen sei. Wäre es zu einer Einigung zwischen den Beteiligten gekommen, würden die Windräder längst stehen – zu den alten und damit besseren EEG-Konditionen.

Für die Stadtwerke sei das Vorhaben zwar wirtschaftlich nicht von entscheidender Bedeutung, denn es werde auch andernorts in Windenergie investiert – „da sind wir bestens aufgestellt“. Aber es wäre eben ein Projekt gewesen, dass im Versorgungsgebiet hätte umgesetzt werden können und damit etwas Besonderes mit Symbolcharakter.

Ganz ad acta legen will Schnitzler das Thema Windkraft in Lengerich indes noch nicht. Weitere Änderungen des EEG könnten in der Zukunft zu einer neuen Situation und damit zu einer neuen Bewertung führen. Vielleicht würde die Analyse dann ergeben, dass auch wieder kleinere Anlagen als momentan in Betracht kommen.

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