Do., 23.06.2016

Geschäftsführer Ralf Thorwirth: Haben uns zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt IS-Kämpfer arbeitete bei Horizonte

Warendorf / Ennigerloh - 

Am Dienstag wurde in Warendorf ein mutmaßliches Mitglied der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) festgenommen. Der Festgenommene arbeitete seit November vergangenen Jahres als „Ein-Euro-Jobber“ bei Horizonte (Arbeitsförderung und Integration) in Ennigerloh. Dort sei er laut Geschäftsführer Ralf Thorwirth völlig unauffällig gewesen. „Er war vom Ausländeramt vermittelt worden, sprach gut deutsch, war sehr zuverlässig und fleißig und hatte ein völlig unauffällig Sozialverhalten.“

Von Joachim Edler

Ein mutmaßliches Mitglied der terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) ist am Dienstagmorgen in Warendorf festgenommen worden. Die Ermittlungen werden von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe geführt.

Bei dem Festgenommenen handelt sich um den 30-jährigen Tadschiken Mukhamadsaid S. , der durch eine GSG-9-Einheit vor dem Kreishaus gestellt wurde, als er am Dienstagmorgen einen Behördengang erledigen wollte.

Fast zeitgleich wurde die Wohnung des Verdächtigten in der Bernhardstraße in Ennigerloh durchsucht und angebliches Beweismaterial (Computer und Zubehör) sichergestellt. Seit dem 10. Juni lag der Bundesanwaltschaft ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshof vor. Unbestätigen Berichten zu Folge könnte der 30-Jährige auch an Hinrichtungen beteiligt gewesen sein.

Der Festgenommene arbeitete seit November vergangenen Jahres als „Ein-Euro-Jobber“ bei Horizonte (Arbeitsförderung und Integration) in Ennigerloh. Dort sei er laut Geschäftsführer Ralf Thorwirth völlig unauffällig gewesen. „Er war vom Ausländeramt vermittelt worden, sprach gut deutsch, war sehr zuverlässig und fleißig und hatte ein völlig unauffällig Sozialverhalten.“

Der mutmaßliche IS-Kämpfer war halbtags in der Fahrradwerkstatt beschäftigt. Dort war man mit seiner Arbeit sehr zufrieden. „Zu keinem Zeitpunkt haben wir uns bedroht gefühlt“, so Thorwirth. Die Festnahme hat den Geschäftsführer zwar nicht geschockt, wohl aber überrascht: „Wenn man sich näher mit der Thematik beschäftigt, muss einem klar sein, dass nicht alle Asylbewerber eine einwandfreie Vergangenheit haben.“

Die Kripo, so Thorwirth, sei nach der Festnahme am Arbeitsplatz gewesen, habe das Spind des 30-jährigen Tadschiken nach Kontaktdaten und Propagandamaterial durchsucht – gefunden worden sei jedoch nichts.

Der Festgenommene stammt aus Tadschikistan und war im September 2015 zum zweiten Mal nach Deutschland eingereist. Er stellte einen Asylfolgeantrag und lebte mit Ehefrau und zwei Kindern in Ennigerloh. Die beiden Kinder werden jetzt durch das Jugendamt des Kreises betreut. Die Ehefrau war zum Zeitpunkt der Wohnungs-Stürmung durch die Polizei nicht im Haus. Sie befindet sich nach der Geburt des zweiten Kindes noch im Krankenhaus.

Laut Bundesanwaltschaft wird der Beschuldigte dringend verdächtigt, sich von April bis September vergangenen Jahres als Mitglied an der terroristischen Vereinigung IS beteiligt zu haben. Er soll Mitte April vergangenen Jahres von Tadschikistan aus über die Türkei nach Syrien gereist sein. Dort soll er sich dem IS als Kämpfer angeschlossen haben. Zudem trat er in Videobotschaften auf. Darin rief er vornehmlich tadschikische Landsleute auf, in das „Herrschaftsgebiet“ des sogenannten Islamischen Staates zu reisen und für die Terrororganisation zu kämpfen. Spätestens Anfang September 2015, so der Generalbundesanwalt, reiste der 30-Jährige aus Syrien aus und gelangte in die Bundesrepublik Deutschland.

Über die Festnahme zeigte sich Landrat Dr. Olaf Gericke erfreut: „Ich bin froh, dass der Zugriff schnell und reibungslos erfolgte und damit ein mutmaßlicher Gefährder aus dem Verkehr gezogen werden konnte.“

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