Königreich auf dem Küchentisch
"Kingdomino" ist Spiel des Jahres 2017

Berlin -

Man nehme das Prinzip von Domino und füge Königreiche hinzu - das neue «Spiel des Jahres» vereint bekannte Zutaten. Neues bringt der Blick in die zweite Reihe: Es muss nicht immer gegeneinander gehen.

Dienstag, 18.07.2017, 01:32 Uhr

Königreich auf dem Küchentisch : "Kingdomino" ist Spiel des Jahres 2017
Foto: Wolfgang Kumm

Warum er nicht mehr Ingenieur sein wollte, weiß Bruno Cathala schon lange. Spiele zu erfinden, findet der Franzose spannender. Seit 15 Jahren macht der 53-Jährige nichts anderes.

Nun gibt es den ersten großen Preis: Cathalas «Kingdomino» ist das neue «Spiel des Jahres». Karten passend aneinander legen und so ein Königreich bilden - damit hat der Autor die Jury der begehrten Auszeichnung überzeugt.

Spiele des Jahres - 2007 bis 2017

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  • Lachend präsentiert der Spieleerfinder Michael Schacht sein Spiel "Zooloretto", das zum „Spiel des Jahres 2007“ gewählt wurde. Bei dem Legespiel für 2- 5 "Zoodirektoren" ab 8 Jahren müssen die Spieler mit Pandas, Elefanten, Zebras u.s.w. Gehege füllen, um möglichst viele Besucher anzulocken.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Ein spannendes und strategisches Spiel verspricht "Keltis" von Reiner Knizia. Auch die Jury ist sich einig, dass "Keltis" den Titel "Spiel des Jahres 2008" verdient hat.  

    Foto: dpa
  • Ein Mitarbeiter des Verlages stellt das Kartenspiel "Dominion" vor, das 2009 zum „Spiel des Jahres 2009“ gewählt wurde. Die Jury hob hervor, dass Erfinder Donald X. Vaccarino dem Genre neue Dimensionen erschlossen habe. Beim Kampf um Punkte seien flexibles Denken und jeweils auf das aktuelle Spiel zugeschnittene Strategien erforderlich.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Der französische Spieleautor Jean-Louis Roubira hält sein Spiel "Dixit" in den Händen, das zum „Spiel des Jahres 2010“ gewählt wurde. Kunstvoll gestaltete 84 großformatige Karten bestimmen das Gedankenspiel, das eine gelungene Komposition von Spiel und Grafik ist.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Die Spieleautorin Susan McKinley Ross präsentiert in Berlin das Holzlegespiel „Qwirkle“. Das Kombinationsspiel der Spieleautorin Susan McKinley Ross wurde zum „Spiel des Jahres 2011“ gewählt.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Das Gesellschaftsspiel "Kingdom Builder" ist "Spiel des Jahres 2012". Der Autor Donald X. Vaccarino nahm die Auszeichnung dankend entgegen.

    Foto: dpa
  • Der französische Game-Designer und Autor Antoine Bauza präsentiert am 2013 bei der Verleihung des Titels "Spiel des Jahres 2013" und "Kennerspiel des Jahres 2013" im Hotel Kempinski in Berlin sein Kartenspiel "Hanabi". Aus sechs nominierten Spielen hat eine Jury das Spiel "Hanabi" als "Spiel des Jahres 2013" gekürt.

    Foto: Matthias Balk
  • Spielerfinder Steffen Bogen aus Konstanz freut sich 2014 über die Auszeichnung "Spiel des Jahres 2014" für sein Spiel "Camel up" in Berlin und hält den Würfelbecher in Form einer Pyramide hoch.

    Foto: Bernd von Jutrczenka
  • Der französische Spieleautor Christophe Raimbault freut sich, nachdem sein Spiel "Colt Express", zum „Spiel des Jahres 2015“ gewählt wurde. Das Spiel, das im Verlag Ludonaute erschienen ist, kostet 30 Euro und ist für 2-6 Spieler im Alter ab 10 Jahren gedacht.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Spiele des Jahres - Übersicht der letzten 10 Jahre Foto: Christian Besse
  • Das Spiel „Kingdomino“ wurde am 17.07.2017 in Berlin auf der Preisverleihung als „Spiel des Jahres 2017“ vorgestellt.

    Foto: Wolfgang Kumm

In rund 20 Ländern liegt «Kingdomino» schon in den Läden, doch jetzt dürfte das Geschäft richtig beginnen. Denn Brettspiele sind trotz Handy- und Computerkonkurrenz beliebt, gerade in Deutschland.

Etwa eine halbe Milliarde Euro haben die Deutschen allein im vergangenen Jahr für Spiele ausgeben, ein Zehntel mehr als im Vorjahr und damit eine Rekordsumme. «Rechnerisch hat sich jeder zweite Bundesbürger ein Spiel gekauft», sagt Hermann Hutter, Vorsitzender des Spieleverlage-Vereins .

«Spiele sind etwas für Kinder», diesen Satz unterschreiben nach Umfragen nur noch die Wenigsten. «Die 20- bis 30-Jährigen sind zurück», beschreibt Hutter einen Trend zum Erwachsenen-Spiel, der die Branche seit einigen Jahren freut.

Klassiker wie «Mensch ärgere Dich nicht» bleiben die beliebtesten Brettspiele, wenn man die Leute fragt. Manches Kinderspiel macht eine zweite Karriere als Trinkspiel bei jungen Erwachsenen - wie etwa «Looping Louie», einst «Kinderspiel des Jahres». Doch jedes Jahr gibt es auch hunderte neue Spiele zu kaufen.

Beim neuen « Spiel des Jahres » finden Spieler dennoch viel Vertrautes: Es verlegt das Spielprinzip von Domino in die Welt der Könige und Burgen. Kluge Mechanismen, stimmig verzahnt mit dem Aufbau von Ländereien, meisterlich auf das Wesentliche reduziert - so sieht es die Kritikerjury im Verein Spiel des Jahres.

Zwei bis vier Spieler ab acht Jahren treten gegeneinander an, legen Kornfeld an Kornfeld, Wald an Wald. Eine Viertel- bis halbe Stunde später steht der Sieger fest. «Jeder lässt vor sich sein eigenes Königreich entstehen», der Spieler mit der höchsten Punktzahl gewinnt. Das sind klassische Spiele-Zutaten.

Die Jury rät daher nicht umsonst zu einem Blick auf die übrigen Nominierten . Sie beweisen: In der Spiele-Welt tut sich was. «Einer der wichtigsten Trends des Jahrgangs war sicher der Auftritt der kooperativen «Escape-Room»-Rätselspiele», sagt der Vereinsvorsitzende Tom Felber.

Dabei müssen die Spieler zusammenarbeiten, um zu gewinnen, was in diesem Fall heißt: aus scheinbar verschlossenen Orten zu entkommen - seien es nächtliche Kaufhäuser oder Schützengräben. Eines dieser Spiele, das mit Rätsel gespickte «Exit», darf sich in diesem Jahr mit dem Titel «Kennerspiel des Jahres» für besonders anspruchsvolle Spiele schmücken. Auch hier dürfte der Verkaufsturbo anspringen.

Von einem normalen Spiel verkaufen die Händler nach Branchenangaben im Durchschnitt 3000 bis 10 000 Exemplare im Jahr. «Beim «Spiel des Jahres» sind es 300 000 bis 400 000», sagt Verbandschef Hutter. Zwar ermitteln die Verlage nicht, wie häufig ein Spiel gespielt wird und wie viele im Regal verstauben. Sie sind sich dennoch sicher, Deutschland sei eine international führende Spielnation.

Bemerkenswert ist dabei das Umfrageergebnis des Instituts YouGov: Gut zwei von drei Deutschen glauben, beim Spiel seien sie gute Verlierer. Wenn drei Spieler am Tisch sitzen, dürfte es also immer friedlich bleiben - vorausgesetzt der Richtige gewinnt.

 

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