Viele rasseln durch die Prüfung
Generation Smartphone am Steuer

Dülmen. Das Kraftfahrtbundesamt schlägt Alarm: Obwohl die Zahl der Fahrstunden immer weiter ansteigt, fallen inzwischen 39 Prozent aller Fahrschüler durch die Theorie und jeder Dritte muss die praktische Fahrprüfung wiederholen.

Jürgen Potjans von der gleichnamigen Fahrschule kennt diese Statistik, gibt aber zugleich auch Entwarnung: „Wir haben eine Durchfallquote von nahezu Null. Denn ob und wann ein Fahrschüler zur Prüfung geht, das entscheidet ja der Fahrlehrer immer noch mit.“

Montag, 21.05.2018, 16:40 Uhr

Viele rasseln durch die Prüfung: Generation Smartphone am Steuer
n der Fahrschule Potjans werden Fahranfänger zunächst in einem Simulator geschult. Hier kann virtuell und ohne Risiko getestet werden, wie es mit Gas, Kupplung, Bremse und mit den anderen Verkehrsteilnehmern so klappt. Foto: Potjans

Dennoch sieht auch Potjans große Veränderungen in Fahrschulen und im Straßenverkehr und hat ein paar Ideen, warum die Quote so gestiegen ist. "Man muss da aber zwischen den Fahrschülern ganz klar unterscheiden“, meint er. So gebe es ausländische Kunden, die annehmen, dass sie ihren vorhandenen Führerschein einfach nur umschreiben müssten. Das gilt allerdings nicht für Fahrer, die ihren Führerschein außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums erworben haben.

„Diese Fahrer müssen Fahrstunden nehmen und sowohl die theoretische als auch die praktische Prüfung absolvieren“, weiß Potjans. Wenn dabei nicht ein Mindestmaß an Deutschkenntnissen vorgewiesen werden kann, nimmt er solche Schüler inzwischen nicht mehr an. „Wir können einfach keine Schüler unterrichten, die unsere Sprache gar nicht verstehen.“

Doch auch die jungen Erwachsenen, die zur Fahrschule kommen, seien heute aus einem anderen Holz geschnitzt: „Ich wage mal die These, dass die Generation Smartphone heute viel seltener auf der Straße unterwegs ist, als wir früher.“ Entsprechend seien Verkehrsregeln auch vielen unbekannt.

Zudem sei der Verkehr, aber auch das Regelwerk deutlich komplexer geworden. „Alleine die Theorie umfasst heute rund 1000 Fragen“, erklärt Potjans. An den zwölf obligatorischen Stunden für Sonderfahrten habe sich seit Jahren zwar nichts geändert. „Trotzdem wird heute kaum noch jemand unter 30 Fahrstunden seinen Führerschein schaffen“, meint Potjans. Fünf Fahrlehrer arbeiten derzeit für 400 angemeldete Fahrschüler. „Aber manch einen davon sehen wir monatelang nicht“, erklärt Potjans. Bei einigen käme immer wieder etwas dazwischen, sodass es manchmal Jahre bis zur Prüfung dauere.

Einer, der sich im Moment darauf vorbereitet, ist Kubilay Topuzlu. Der 16-Jährige will den Schein fürs Begleitete Fahren mit 17 machen. Fünf Fahrstunden hat er absolviert. „Ich hoffe, ich komme am Ende mit 25 aus“, verrät er im DZ-Gespräch. Allerdings sei die Orientierung am Steuer gar nicht so einfach. „Ich habe am Anfang ein paarmal rechts vor links vergessen und auch die Bedeutung der Schilder war mir nicht so klar.“ So kam es, dass seine Fahrlehrerin ihn mit einer Vollbremsung überraschte. „Ich wollte in eine für Autos gesperrte Straße einbiegen“, erklärt er seinen Fehler schmunzelnd.

In einer Woche steht für ihn bereits die theoretische Prüfung an. „Ich bin schon ein bisschen nervös.“ Andererseits glaubt er, dass er es mit der Fahrschul-App gut hinbekommen wird. „Meine letzten beiden Simulationen waren jedenfalls komplett fehlerfrei“, berichtet er.

Auch, wenn es gar nicht so einfach sei, ein Auto durch Dülmens Straßen zu lenken, steht für Topuzlu doch fest: „Ich habe wirklich Spaß daran, am Steuer zu sitzen.“ Demnächst darf er das aber erst einmal nur, wenn Mama, Papa oder Oma neben ihm auf dem Sozius Platz nehmen.

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