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Mo., 04.05.2015

Szene „Nicht zu billig verkaufen“

Szene : „Nicht zu billig verkaufen“

Frank Bauchrowitz ist am Sonntag in der Neuen Spinnerei zu Gast. Foto: Jule Lauterbach

Dülmen. Bands das nötige Wissen mit auf ihren musikalischen Weg geben, das ist das Ziel der von Create Music ins Leben gerufenen Workshop-Tour. Zu Themen wie Marketing, Bandperformance oder Recording finden noch bis Juni verschiedene Veranstaltungen im Raum Westfalen-Lippe statt. In der neuen Spinnerei in Dülmen informiert Rechtsanwalt Frank Bauchrowitz am kommenden Sonntag über Musikrecht. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach DZ-Redakteurin Kristina Kerstan mit dem Juristen, der sich auf das Thema Musikrecht spezialisiert hat.

Herr Bauchrowitz, wenn Sie einer jungen Band einen Tipp geben könnten: Welcher wäre das?

Bauchrowitz: Ich empfehle jungen Musikern und Komponisten gern, dass sie ihre Musik nicht zu billig hergeben sollen. Die Höhe der Gage sollte angemessen hoch sein. Natürlich sind viele Bands für jede Auftrittsmöglichkeit dankbar - und Erfahrungen sind ja auch etwas wert. Es gibt aber heutzutage viele Newcomerbands, die von Anfang an auf einem sehr guten Niveau Musik machen. Diese Musik ist etwas wert und entsprechend sollten sich die Veranstalter sie auch etwas kosten lassen. Die eigene Bescheidenheit der Musiker ist da oft zusätzlich kontraproduktiv. Man muss sich, und auch dem Veranstalter, klarmachen, wie viel Aufwand in einem Auftritt steckt: Das jahrelange Üben eines Instrumentes, das Komponieren eigener Songs und Dichten eigener Liedtexte, die aufwendige Probezeit und dann schließlich der Aufwand für den Auftritt an sich. All dies muss sich nach meiner Ansicht in der Höhe der Gage widerspiegeln. Dementsprechend empfehle ich auch jungen Bands, nicht zu niedrig in die Gagenverhandlung einzusteigen.

Sie beraten seit Jahren bei juristischen Fragen rund um das Musikbusiness. Wo gibt es immer wieder Probleme, gerade für Nachwuchsbands?

Bauchrowitz: Die juristischen Probleme beginnen in der Regel dann, wenn eine Band Einnahmen hat, die über eine reine Kostendeckung hinausgehen. Meistens spielt dann zunächst die Selbstorganisation eine Rolle. In dieser Phase berate ich meist hinsichtlich der Entwicklung eines Bandvertrages in Form eines GbR-Vertrages. Hier können die Bandmitglieder alle inneren Angelegenheiten regeln, um Streit zu vermeiden. Parallel dazu ergeben sich meist juristische Fragen rund um das Thema „Auftritt“: Einzelne Klauseln aus Konzertverträgen, Gema-Fragen, Urheberrecht.

Bands, die schon etwas länger professionell auftreten, haben meist Fragen zu den Themen Künstlerbetreuung und zu rechtlichen Themen rund um den Komplex „Aufnahmeproduktion“. Innerhalb der angesprochenen Bereiche gibt es sehr unterschiedliche Probleme, zu denen Bands Beratungsbedarf haben.

Ab welchem Zeitpunkt sollten Hobbymusiker anfangen, sich ernsthaft mit rechtlichen Fragen zu beschäftigen?

Bauchrowitz: Möglichst ab dem ersten öffentlichen Konzert. Das Thema Musikrecht betrifft im Prinzip jeden Musiker, der in der Öffentlichkeit auftritt - ganz egal, ob Hobby- oder Profimusiker.

Bei Ihrem Seminar am kommenden Sonntag in Dülmen geht es um das Thema Musikrecht mit den Schwerpunkten Gema und GVL. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Gesellschaften?

Bauchrowitz: Um diesen Unterschied erklären zu können, muss ich zunächst auf den Unterschied zwischen Urheberrechten und Leistungsschutzrechten eingehen:

Urheberrechte entstehen durch die Schöpfung eines Werkes, also beispielsweise einer Komposition. Urheber möchten in der Regel, dass ihre Werke genutzt werden und sie hierfür eine Vergütung erhalten.

Sofern ich als Komponist, Textdichter oder Bearbeiter einen sogenannten Wahrnehmungsvertrag mit der Gema abschließe, vergibt die Gema für bestimmte Nutzungsbereiche die Lizenzen zur Nutzung der Kompositionen und leitet die Vergütungen an die Werkbeteiligten weiter.

Leistungsschutzrechte können erlangt werden, wenn Leistungen an Werken erbracht werden. Das hört sich sehr kompliziert an, bedeutet hinsichtlich Kompositionswerken aber nur, dass die Werke beispielsweise durch Musiker aufgeführt werden. In diesem Fall können die Musiker noch selbst kontrollieren, ob es eine sog. Erstverwertung des Konzertes gibt, dieses also beispielsweise aufgenommen oder im Radio live gesendet wird.

Eine solche Verwertungserlaubnis könnte dann beispielsweise direkt mit in den Konzertvertrag aufgenommen werden. Komplizierter wird das Ganze, wenn nun die Aufnahme verwertet wird. Das könnte zum Beispiel das Abspielen in einer Kneipe sein. Über die GVL wird dann die Abspielerlaubnis lizenziert. Der Einzug der Gebühren erfolgt in diesem Fall über die Gema, mit der die GVL zusammenarbeitet. Die GVL ist daher in der Öffentlichkeit nicht so präsent, wie die Gema.

Wann lohnt sich aus Ihrer Sicht für junge Musiker die Mitgliedschaft bei Gema und/oder GVL?

Bauchrowitz: Eine GVL-Mitgliedschaft lohnt sich für jeden Musiker, der an einer veröffentlichten Tonaufnahme mitgewirkt hat. Eine Gema-Mitgliedschaft ist generell dann sinnvoll, wenn man eigene Werke bereits veröffentlicht hat oder kurz davor steht und Aussicht darauf besteht, dass die Kompositionen genutzt werden. Hier gibt es allerdings zahlreiche Differenzierungen, auf die ich im Vortrag eingehen werde.

An welche Zielgruppe richtet sich Ihr Vortrag?

Bauchrowitz: Der Vortrag richtet sich an alle aktiven Komponisten und Musiker. Denn musikrechtliche Themen berühren jeden, der auftritt. Eine Anmeldung zum Vortrag kann im Internet über http://create-music.info/workshops erfolgen. Am 13. Juni gibt es im JiB/Gleis 22 in Münster übrigens einen weiteren Vortrag von mir. Dann geht es um die Themen „GbR-Verträge für Bands“ und „Künstlersozialkasse“ Nach beiden Vorträgen stehe ich noch für allgemeine Fragen rund um das Musikrecht zur Verfügung.

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