Thomas Flender zog Frau gerade noch rechtzeitig von den Bahngleisen
Ein Lebensretter

Dülmen. Es war an Aschermittwoch 2016. Eigentlich wollte Thomas Flender nur seine Tochter vom Spielen aus Merfeld abholen. Doch er wurde zum Lebensretter. Für seinen Einsatz erhielt der 36-Jährige am Freitag die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen.

Freitag, 23.02.2018, 20:00 Uhr

Thomas Flender zog Frau gerade noch rechtzeitig von den Bahngleisen: Ein Lebensretter
Thomas Flender erhielt am Freitag aus den Händen von Ministerin Ina Scharrenbach die Rettungsmedaille des Landes Nordrhein-Westfalen. Der 36-Jährige hatte 2016 einer jungen Frau das Leben gerettet. Foto: Hülsheger

An jenem Tag überquert Thomas Flender auf dem Weg nach Merfeld mit seinem Auto den Bahnübergang an der Borkener Straße kurz vor der Autobahnbrücke. „Da habe ich dann ein Mädchen auf den Schienen stehen sehen“, berichtet Flender. Zunächst habe er noch gedacht, dass sie vielleicht ihren Hund suchen würde. Doch die Situation kam ihm komisch vor, er fuhr zurück und sprach sie an. „Sie war zwischen 16 und 18 Jahre jung. Als ich sie aus dem Auto heraus ansprach, hat sie nicht reagiert.“

Flender steigt aus, spricht die Frau erneut an. „Ja, alles gut“, bekommt er auf Nachfrage als Antwort. Die Situation wird ihm zu heikel. Kein anderes Fahrzeug hält. Der Dülmener ruft die Polizei an. „Sie ist dann auf den Schienen weitergegangen in Richtung Autobahnbrücke, und dann gingen die Schranken runter“, erzählt der 36-Jährige weiter. Er beendet das Telefonat, läuft der Frau hinterher und kann sie gerade noch von den Schienen ziehen, bevor der Zug kommt, der trotz Vollbremsung nicht rechtzeitig zum Stehen gekommen wäre. „Das war für uns beide knapp“, so Flender.

Kurz darauf kommt die Polizei, nimmt die junge Frau mit. „Ich weiß nicht, was aus ihr geworden ist und wie es ihr heute geht“, bedauert Flender. Auch ihm selbst ging es nach der Rettungstat nicht gut. „Ich habe gezittert und war erst einmal ziemlich durcheinander.“ Trotzdem verließen ihn die Beamten nach der Aufnahme der Personalien relativ schnell. „Da hätte ich mir ein wenig mehr Unterstützung gewünscht.“

Seither hat Flender immer wieder über die Aktion nach gedacht, kommt häufig an der Stelle vorbei. „Man denkt sofort: Hoffentlich steht keiner auf den Schienen. Zudem habe ich mir gesagt, ich hätte sie sofort von den Schienen holen sollen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wenn sie auf die Autobahn gesprungen wäre“, sagt der zweifache Familienvater. Anfangs spricht er wenig über die Aktion. Aber mit der Zeit erfahren es immer mehr Leute. „Es gab viele tolle Rückmeldungen. Meine Eltern waren stolz, und mein Schwiegervater war auch sehr glücklich“, berichtet er.
Für seinen Einsatz gibt es auch von offizieller Stelle viel Lob. Vom Polizeipräsidenten kommt ein Dankesbrief. Und kurz vor Weihnachten liegt ein hochoffizielles Schreiben im Briefkasten.

„Ich habe erst gedacht: Was habe ich denn jetzt angestellt? Meine Frau wollte den Brief gar nicht aufmachen“, erzählt Flender lachend. Doch dann herrschte Freude im Hause Flender. Am Geburtstag seiner Frau Manuela, und einen Tag nach dem eigenen Geburtstag, gab es in Mönchengladbach die Rettungsmedaille.

Neben Flender wurden auch drei Männer ausgezeichnet, die bei einem Großbrand auf dem Campingplatz am Dülmener See einen Mann aus den Flammen retteten. Eine ausführliche Berichterstattung finden Sie in der DZ-Ausgabe von Samstag, Print und E-Paper.

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