Wohnschule
Mehr Ordnung im Leben

Dülmen. Daniel D. ist gerade dabei, mehr Ordnung in sein Leben zu bringen. So hat er zum ersten Treffen der Wohnschule im neuen Jahr auch seinen großen blauen Aktenordner mitgebracht. Zusammen mit Diplom-Sozialpädagogin Heike Engelmann, die den Dülmener Kursus der Wohnschule am Kreuzweg leitet, hat Daniel einen Plan ausgearbeitet, wie er seine Eltern im Haushalt noch mehr entlasten kann. „Ich putze jetzt jeden Samstag die Wohnung, bringe das Altglas zum Container und decke abends den Tisch“, teilt er nicht ohne Stolz beim zeremoniellen Kaffee in der Runde mit.

Dienstag, 09.01.2018, 17:48 Uhr

Wohnschule: Mehr Ordnung im Leben
Mit Kursleiterin Heike Engelmann bereiten sich die Teilnehmer an der Wohnschule auf ein eigenständigeres Leben vor. Foto: Stief

Anders als Daniel hat Svenja E. im Elternhaus ihre eigene Wohnung, „und ich fühle mich da pudelwohl. Seit November habe ich jetzt meine eigene Küche und Silvester habe ich mit Freundinnen zusammen gekocht. Auch für meine Mutter habe ich schon Kaiserschmarrn gemacht.“

Das Essen ist immer ein Thema beim Montagstreffen der Gruppe, denn diesmal soll der Abend mit einem gemeinsam zubereiteten Reistopf ausklingen. Vorgeschlagen hat das Rezept Simone R., und am Ende kann sich auch Theresa E. auf das Essen freuen, denn es gibt frischen Salat dazu. Vor dem Gang in die Küche steht allerdings noch der Besuch im Supermarkt auf dem Programm, „und hier haben wir die Aufgaben verteilt“, so Engelmann. Einer aus der Gruppe ist für die Finanzen zuständig, eine andere wählt die frische Ware aus.

Theresa kommt sonst mit der Bahn aus Buldern zur Wohnschule, doch zum ersten Mal ist die schüchterne 19-Jährige jetzt auch mit dem Anruf-Sammel-Taxi bis zur Haltestelle am Gesundheitsamt gefahren. Für sie, die sich bald auch ein Leben in einer eigenen Wohnung vorstellen kann, eine große Überwindung.

Andreas B. ist derzeit noch in einer Wohngruppe auf der Karthaus untergebracht, möchte aber bald in eine eigene Wohnung ziehen, doch noch wichtiger ist ihm aktuell, dass er seine Grippe auskuriert. Außer an drei Stunden am Montagabend hat die Gruppe gemeinsam an einem fünftägigen Seminar in Lüdinghausen teilgenommen.

„Da haben wir dann die Gesundheitsthemen vertiefen können und Übungen aus dem Yoga ausprobiert“, so Kursleiterin Heike Engelmann, die die Wohnschule in Lüdinghausen und Dülmen für das Sozialwerk St. Georg leitet. Nicht nur wegen der gemeinsamen Räumlichkeiten mit dem Regenbogen e.V. gibt es am Standort Dülmen einen engen Kontakt zu dem Verein, „denn viele Teilnehmer an unseren Kursen nutzten als Kinder die Angebote unter dem Motto gemeinsamen leben, gemeinsam lernen.“

Außerhalb der Wohnschule sind die meisten Teilnehmer noch in anderen Bereichen sehr stark engagiert. So freut sich Daniel besonders auf seine Reitstunden, Svenja nutzt die Angebote der Behindertensportgemeinschaft. Gemeinsam hat eine Gruppe Auftritte mit der Dülmener Drum Band absolviert und ein besonderes Erlebnis war in der Vorweihnachtszeit der Einsatz beim Merfelder Wintermärchen. „Das war für alle eine tolle Sache“, so Engelmann. „Denn dadurch, dass die Gruppe für den Verkauf zuständig war, hat sie auch gelernt, mit fremden Menschen in Kontakt zu kommen. Und es gab die positive Rückmeldung, dass sie trotz ihrer Einschränkungen einen wertvollen Beitrag leisten und ihr eigenes großes Engagement anderen Menschen helfen kann.“

Und für Daniel rückt mit jedem Besuch der Wohnschule der in großen roten Lettern geschriebene Spruch aus seinem Aktenordner ein Stück näher: „Ich kann nur ein Supermann sein, wenn ich mich wie einer fühle.“

Mehr zum Thema  in der Printausgabe  und dem E-Paper der DZ am Mittwoch.

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