In der Christuskirche richten sich alle Blicke zum Altar
Wo die rote Luther-Rose blüht

Dülmen. Ein schwarzes Kreuz vor einem roten Herz. Darum eine weiße Rose, blauer Himmel und ein goldener Ring. Das sind die festen Farben der Luther-Rose. Und in der Rosette der Christuskirche? Da ist das Herz blau, die Rosenblätter rot, nur der Himmel erinnert an die eigentliche Farbgebung. „Ich weiß nicht, was sich der Künstler dabei gedacht hat“, sagt Gerd Oevermann. „Ich kenne keine andere Kirche mit einer solchen Luther-Rose.“

Samstag, 23.12.2017, 07:00 Uhr

In der Christuskirche richten sich alle Blicke zum Altar: Wo die rote Luther-Rose blüht
Alle Blicke in der Christuskirche richten sich auf den Altar, wo immer eine Bibel liegt. Foto: Kerstan

Warum das Siegel des Reformators in völlig falschen Farben Dülmens evangelische Kirche ziert, weiß der Pfarrer nicht. Nur, dass es bereits seit 1953 so ist.

Im Zweiten Weltkrieg war der Vorgängerbau durch Bomben zerstört worden, in den 50er-Jahren errichtete die Gemeinde an gleicher Stelle die Christuskirche. „Es ist eine richtige Predigtkirche“, erläutert Oevermann. Alles ist nach vorne ausgerichtet, prominent wird die Kanzel als Ort der Verkündigung hervorgehoben. Und zwangsläufig richten sich alle Blicke auf den Altar, wo immer, so betont der Pfarrer, eine aufgeschlagene Bibel liegt. „Das symbolisiert Luthers Ziel, dass die Bibel jedem gehört.“ Welche Stelle genau zu lesen ist, sei übrigens Zufall. „Wir schlagen sie meist mittig auf“, verrät der Seelsorger.

Der 49-Jährige, seit 15 Jahren in Dülmen tätig, zeigt das Deckblatt. Das Buch ist sichtbar neu, genauer gesagt etwas über ein Jahr alt. Zum ersten Advent 2016, anlässlich des Auftaktes der Feierlichkeiten zum 500-jährigen Reformationsjubiläum, hatte Präses Annette Kurschus jeder Gemeinde eine solche Luther-Bibel geschenkt. Oevermann holt das Vorgänger-Exemplar aus der Sakristei, eine deutlich prunkvollere Ausgabe mit vergoldeten Seiten, ein Geschenk der Halteraner Nachbargemeinde aus dem Jahr 1953.

Der Pfarrer hat außerdem eine alte Postkarte - zufällig abgestempelt am 23.12.1955 - mitgebracht. Die habe ihm einst eine ältere Dülmenerin gegeben. Die Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt den Altarraum der Christuskirche, wie er vor der grundlegenden Renovierung 1982 aussah. Vor allem fällt auf: Die Symbole der vier Evangelisten an den Wänden waren früher farbig gestaltet. Mensch, Löwe, Stier und Adler sind heute weiß übermalt und deutlich weniger auffällig (wobei die Bibeln bei jeder Gestalt von Kindern gerne mal für Erste-Hilfe-Kästen gehalten werden, verrät Oevermann schmunzelnd).

Den gesamten Bericht sowie interessante Fakten zu Kirche und Gemeinde finden Sie in der Feiertagsausgabe der Dülmener Zeitung, Print und E-Paper.

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