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Sa., 18.03.2017

düb-Erweiterungspläne stoßen bei Bürgeranhörung auf massive Kritik Sprungturm im Karnevalskostüm

düb-Erweiterungspläne stoßen bei Bürgeranhörung auf massive Kritik : Sprungturm im Karnevalskostüm

Irmgard Schlafke (mit Mikrofon) zeigte sich sehr enttäuscht von den vorgestellten düb-Modernisierungsplänen. Foto: Michalak

Dülmen. Wie rechtfertige ich eine Sechs-Millionen-Euro-Investition in ein öffentliches Bad? Ich mache den Bestand erst einmal möglichst madig. Und so zählte Architekt Christoph Keinemann, der das „düb 2020“ entwickelt hat, eine ganze Latte von hygienischen Mängeln auf, beklagte einen gewaltigen Reparaturstau und entdeckte ungeahnte Räumlichkeiten auf den Galerien und in den Umkleiden, die endlich einmal genutzt gehörten.

Von Markus Michalak

Dass das Freizeitbad eine Frischzellenkur benötigt, daran gab es keine Zweifel. Die Mehrheit der Anwesenden sah ein, dass Duschen, Toiletten und Umkleiden saniert und modernisiert gehören, und dass der Schaden mit den Beckenfliesen repariert werden muss. Niemand störte sich daran, das Bad für Menschen mit Behinderungen attraktiver zu gestalten.
Scharf kritisiert wurden hingegen die neuen Attraktionen, die das düb in Zukunft zu einem Publikumsmagneten in der Region werden lassen sollen. Wie ein Sprungturm, der Wasser speien kann oder ein Johnny-Düb-Land, das durch Spielelemente, Aufbauten und Trennbereiche viel Wasserfläche im heutigen Nichtschwimmerbecken verdrängt. Das schmerzt Schulen und Vereine um so mehr, als dass das bestehende Planschbecken für Kleinkinder der neuen Gastronomie zum Opfer fällt, die viel mehr Plätze im Fun-Bereich, neue Plätze im Relax-Bereich sowie eine Bedienmöglichkeit sogar im Eingangsbereich bekommen soll.

Lehrerin Irmgard Schlafke outete sich als „kein Fan vom neuen Fun“ und fragte, was denn ein Sprungturm im Karnevalskostüm für einen Sinn mache. Unter viel Applaus erklärte sie, das Johnny Düb-Konzept käme ihr geradezu lächerlich vor. Vorgesehen ist hier, dass Kinder sich Belohnungen in einer Kids Gym erarbeiten sollen.

Astrid Bienhüls von den Wasserfreunden beklagte die schlechteren Bedingungen für Training und Ausbildung und erklärte: „Damit habe ich mich in keinem Gespräch einverstanden erklärt.“ düb-Chef Georg Bergmann und Bürgermeisterin Lisa Stremlau hatten das jüngste Treffen mit den Vereinen hingegen anders in Erinnerung.

Häufig wurde kritisiert, dass den hohen Investitionskosten keine plausible Wirtschaftlichkeitsberechnung gegenübergestellt wurde. Und eine große Sorge waren die weiter steigenden Eintrittspreise. Barbara Kreuznacht erklärte, das Bad sei das mit Abstand teuerste in der Umgebung und nach der Modernisierung werde es noch viel teurer werden.

Heiner Janocha sprach vielen aus der Seele, als er erklärte, das düb sei beliebt, so wie es ist, und warnte davor, den Fehler von Martin Schulz zu wiederholen, der in Würselen ein Spaßbad bauen ließ, das keiner wollte.

Immerhin Maxim (11) ließ sich von den Piraten-Plänen begeistern, und Stremlau nahm ihn als Kronzeugen, dass man vielleicht nicht nur an die heutigen Nutzer, sondern auch an kommende Generationen denken solle, wenn man wettbewerbsfähig bleiben will. Abschließend konnten die Besucher ihre Wünsche zu Protokoll geben, die eine „sehr nachdenkliche“ Lisa Stremlau mit nach Hause nahm. Sie versprach, die Kritik mit der Politik zu erörtern.

Weitere Informationen und eine Wochenendplauderei finden Sie in der DZ-Ausgabe von Samstag, Print und E-Paper.

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