Do., 14.11.2013

Auszeichnung für Theo Schwedmann Viele Türen aufgeschlossen

Auszeichnung für Theo Schwedmann : Viele Türen aufgeschlossen

Theo Schwedmann mit Dr. Noa Mkayton (l.), Leiterin der deutschsprachigen Abteilung in Yad Vashem, und Deborah Hartmann (r.), Ansprechpartnerin Yad Vashem für deutschsprachige Länder. Foto: privat

Dülmen. Es war ein besonderer Moment im Leben von Theo Schwedmann, als ihm vor wenigen Tagen in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel während einer Feierstunde in einem schmalen Kästchen aus dunklem Holz ein goldener Schlüssel überreicht wurde. Eine seltene Auszeichnung, die würdigt, dass der Dülmener mit seiner Arbeit in den vergangenen 15 Jahren viele Türen aufgeschlossen und Wege erschlossen hat.

Von Claudia Marcy

1998 führte Schwedmann die erste Lehrergruppe aus Nordrhein-Westfalen nach Yad Vashem, wo die Pädagogen unter dem Titel „Erziehung nach Auschwitz“ ein intensives Weiterbildungsprogramm absolvierten. Ein Angebot, das sich etabliert hat und in Yad Vashem mit dem Namen Theo Schwedmann verbunden ist. Nun übergibt der Dülmener die Aufgabe an seine Nachfolgerin Ulrike Schneider-Müller.

Besichtigungen, Gespräche mit Zeitzeugen, Vorträge, Arbeitsgruppen – das Weiterbildungsprogramm für die Lehrergruppen in Yad Vashem ist fordernd - auch emotional. Immerhin bedeutet es die Konfrontation mit einem schuldbeladenen Kapitel der deutschen Geschichte. Wobei: Mit dem Begriff Schuld sei er in Israel nie konfrontiert worden, korrigiert Schwedmann. „Die Menschen in Israel möchten, dass wir Verantwortung übernehmen: Verantwortung dafür, dass sich so etwas wie der Holocaust nie wiederholt, dass wir in Deutschland Zivilcourage zeigen und uns Ausgrenzung engagiert entgegenstemmen.“

Wer mit Lehrern spricht, die mit Theo Schwedmann eine Weiterbildung in Israel gemacht haben, spürt, welche Impulse davon ausgehen. Die Dülmener Gedenkveranstaltung am vergangenen Wochenende zum 9. November 1938, die Gerda Küper, Dr. Andrea Peine und Gabriele Sondermann – inspiriert von den Erfahrungen in Yad Vashem und motiviert durch die Schulpartnerschaft mit der Internationalen Schule für Holocaust-Studien in Yad Vashem - mit ihren Schülerinnen vorbereitet hatten, informiert über jüdisches Leben in Dülmen, auch vor 1933.

Darum gehe es in der modernen Holocaust-Forschung, sagt Theo Schwedmann. „Man verkürzt die deutsch-jüdische Geschichte nicht mehr auf den Zeitraum von 1933 bis 1945, sondern sieht auch die Zeit davor.“ Dann erkenne man, dass Juden integriert und Teil der deutschen Gesellschaft waren. Schwedmann erinnert an den jüdischen Lehrer und Kantor David Dublon, der bis 1933 Meisterdirigent in Dülmen war. Die Schüler-Ausstellung soll Basis sein für Unterrichtsmaterial, das von der Hermann-Leeser-Schule, der Gedenkstätte in Israel und dem Heimatverein Dülmen entwickelt wird. Beteiligt ist auch Helga Leeser-Becker. Die Tochter des Fabrikanten Hermann Leeser, der von den Nazis verhaftet wurde und sich in der Haft das Leben nahm, hat sich bereit erklärt, den Schülern ihre Familiengeschichte zu erzählen. Ein Einzelschicksal für die vielen Opfer des Holocaust, ein Einzelschicksal, das nachvollziehbar mache, was damals geschehen ist, sagt Schwedmann. Er wird das Projekt begleiten, ebenso wie die Vorbereitungen in Dülmen zum Holocaust-Gedenktag. Und er wird wieder nach Jerusalem fahren. Denn wie sagte er bei seiner Verabschiedung in Yad Vashem: „Für mich und meine Frau Gisela ist ein Jahr ohne Israel, ohne die Freunde hier, ein verlorenes Jahr.“

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