Leserreise
Nachlese: Vorbei an Burgen, Schlössern, Seen und Auen

Sechs Tage lang wanderten 30 DZ-Leser mit dem Rad entlang der Donau im österreichischen Salzkammergut. Unbelastet von Gepäck konnten sich die Dülmener auf die romantischen Radwege konzentrieren, die mit kulturellen und landschaftlichen Schmankerln aufwarteten.

Freitag, 26.06.2015, 08:49 Uhr

Leserreise : Nachlese: Vorbei an Burgen, Schlössern, Seen und Auen
Zwischenstopp am Traunsee: Vor der malerischen Kulisse der Fernsehserie "Schlosshotel Orth" ließ es sich die Dülmener Reisegruppe gutgehen. Foto: Rainer Mittrowann

Die an sich plangerecht und vor allem harmonisch und frei von größeren Aufregern verlaufene Fahrrad-Leserreise nach Österreich hatte quasi in der letzten Runde noch ein überraschendes und spannendes Intermezzo für die DZ-Leser bereit: Ein geplatzter Reifen am Fahrradanhänger sorgte für einen knapp einstündigen Stopp am Autobahnrand, der dank der Ruhe und des Könnens von Busfahrer Wolfgang dann doch unspektakulär verlief.

Ein Autofahrer hatte mit einem Schild „Anhänger!!!“, das der Beifahrer beim Vorbeifahren an die Seitenscheibe hielt, auf die Panne aufmerksam gemacht. Der Bus hatte sich weiterhin unbeeinträchtigt lenken lassen, denn drei der vier Räder reichten glücklicherweise, den Coach in der Spur zu halten. Als die benachrichtigte Polizei eintraf, war der Schaden fast schon behoben.

Busfahrer-Können war auch sonst mehrfach gefragt, denn nicht alle Busparkplätze waren so ausgelegt, das ein Bus mit Hänger ohne Hin-und-Her-Setzen parken oder weiterfahren konnte. Und nicht alle der wunderschönen Orte scheinen offensichtlich an dieser Art von Besuchern interessiert – denn sonst würde allein das Anhalten zum Aussteigen nicht 20 Euro kosten.

Die beiden Donau-Etappen von Engelhartszell über Waldkirchen, der Donauschlinge nach Aschach und schließlich nach Linz waren gerade richtig zum Einrollen: Wetter fast gänzlich trocken (auf der gesamten Tour gab es nur zwei kleine Schauer), vorbildlich präparierte Wege – was übrigens die komplette Route auszeichnete, hier noch gemäßigte Temperaturen. Dazu die bezaubernde Landschaft mit Bergen und Auen, Burgen und Schlössern, Kirchen und Klöstern und mittendrin der majestätische Strom, der sich im Lauf der Jahrtausende auch durch den Granit gefressen hat, der allerdings eines nicht ist: schön blau.

Linz hat knapp 200.000 Einwohner und ist damit die drittgrößte Stadt Österreichs und gleichzeitig die Hauptstadt des Bundeslandes Oberösterreich. Aus der einstigen Stahlstadt (Voestalpine AG) ist ein namhaftes Kulturzentrum geworden, das 2009 zusammen mit dem litauischen Vilnius Kulturhauptstadt Europas wurde.

Dazu haben Events wie das Bruckner-Fest, die Linzer Klangwolke, der Prix Ars Electronica oder das Filmfestival Crossing Europe wesentlich beigetragen. Linz war von Kriegsende bis 1955 geteilt. Die Donau trennte das sowjetisch besetzte Gebiet nördlich des Flusses von der amerikanischen Besatzungszone im Süden.

Nach einem Abstecher der Enns entlang nach Steyr, durften die Radler aus dem Münsterland in den folgenden Tagen dann einen Teil der vielen Seen des Salzkammerguts kennenlernen und die Strecken wurden anspruchsvoller, sodass gelegentlich aus Radfahren auch schon mal Radwandern wurde - trotz E-Bikes bei den meisten Teilnehmern. Für die Anstrengungen belohnt wurden die Dülmener mit einer fast unbeschreiblich schönen Landschaft, bestem Wetter und kulinarischen Genüssen.

Nach der wohl anspruchsvollsten Etappe von Obertraun entlang der Traun über Hallstatt, Bad Ischl nach St. Wolfgang mit einem guten Dutzend ordentlicher Steigungen sah das Programm einen (Ruhe-) Tag am Wolfgangsee oder eine kurze Tour in das Mondseeland vor.

Die „Daheimgebliebenen“ nutzten die Zeit für eine Fahrt mit der Schafbergbahn und genossen einen unvergesslichen Blick über das Salzkammergut, machten eine Bootsfahrt zum Lieblings-Ferienort des deutschen Bimbes-Kanzlers Kohl nach St. Gilgen oder genossen Kaffee und Kuchen auf der Seeterrasse des Weißen Rössl.

Ein Verkehrsschild rief Verwunderung hervor, es wies Radfahrerinnen einen bestimmten Weg. Radguide Robert, der nicht nur über alles Bescheid wusste, was mit Rad oder der Route zu tun hatte, sondern ebenso große Kenntnis in Geschichte, Kunst, Kultur und Politik offenbarte, wusste auch hier die Erklärung: Österreich nimmt Gender ernst. Deshalb greift diese besondere Art der Emanzipation um sich und regelt auch die Schreibweise auf Verkehrsschildern. Bei genauem Hinsehen steht auf dem Schild auch nicht Radfahrerinnen sondern RadfahrerInnen – mit großem I, was „Radfahrer und Radfahrerinnen“ ausgesprochen wird.

Gender macht auch nicht vor dem Text der österreichischen Bundeshymne halt: aus „Heimat bist du großer Söhne“ wurde „Heimat großer Töchter-Söhne“ – nur blöd, dass man den Bindestrich nicht mitsingen kann. Den Vogel abgeschossen haben soll ein hochrangiger Vertreter der Partei, die sich Gender auf die (Partei)-Fahne geschrieben hat, beim Besuch eines Kloster mit der Begrüßung: „Liebe Schwesterinnen und Schwestern!“

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